Helfen neue Baugebiete, den Bevölkerungsrückgang zu stoppen?

Ringen um Einwohner

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln sieht dies als Fehlentwicklung. IW-Experte Dr. Ralph Henger (34) gegenüber dem „Sonntag in Franken“: „Wir brauchen hier einen Bewusstseinswandel und Kostentransparenz. Die Folgekosten für die neuen Baugebiete werden oft nicht beachtet. Bauland auszuweisen, ist nicht grundsätzlich schlecht, aber die Planer verknüpfen sich nicht mit den Kämmerern. Wenn die Prognosen für die Bevölkerungsentwicklung für die Region Oberfranken nur halbwegs stimmen, macht in vielen Fällen ein neues Baugebiet im Außenbereich keinen Sinn.“

Zudem führten ständig neue Baugebiete zu einem „ruinösen Wettbewerb“ unter den Kommunen. Das System, mit Bauland Einwohner zu gewinnen, funktioniere nur bei wachsender, nicht aber bei schrumpfender Bevölkerung: „Werden die Grundstücke nicht verkauft, sinken die Preise, die Kommune kriegt die Kosten nie wieder herein.“

Besser als Baugebiete auszuweisen sei es, Brachflächen zu vitalisieren, eine kompakte Siedlungspolitik zu betreiben. „Unternehmen“, so Henger, „kennen den Prozess des Gesundschrumpfens, das sollte auch für Kommunen in Oberfranken ein Thema sein. Die Städte und Gemeinden sollten sich den Herausforderungen stellen und nach Kooperationsmöglichkeiten mit ihren Nachbarkommunen suchen.“

Zur Diskussion um die umstrittenen Empfehlungen des Zukunftsrates der Bayerischen Staatsregierung, nach denen Regionen wie Oberfranken künftig beim Thema Förderung nicht mehr berücksichtigt werden sollen, sagte Henger: „Regionen, die strukturschwach sind, brauchen Fördermittel für den Um- und Rückbau ihrer Kommunen, sie haben sonst keine Chance.“ n Thomas Erbe

Sonntag in Franken vom Sonntag, 20. Februar 2011, Seite 5 (141 Views)

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